Hallo Tänzerinnen und Tänzer!
Wir leben im Zeitalter der sozialen Netzwerke. Ich persönlich bin ein Fan von Facebook, Instagram, YouTube, Twitter ...... aber nur bis zu einem gewissen Grad.
Letztes Wochenende habe ich mich auf die Aufführung einer Kunstgrundschule gefreut. Schon im Foyer habe ich einige ungeduldige Väter, Mütter, Omas, aber auch Opas, Onkel oder Tanten und andere Fans der jungen Tänzerinnen und Tänzer gesehen. :) Ich habe es mir bequem in einem wunderschönen Saal gemütlich gemacht. Zu Beginn der Aufführung betrat als Erste die Frau Direktorin die Bühne, die nicht vergaß, die Eltern darauf hinzuweisen, dass sie ihre Mobiltelefone ausschalten oder zumindest den Lautlos-Modus einstellen sollen. In diesem Moment sah ich um mich herum ein Raunen – alle kontrollierten ihre Handys. Wir sind ja schließlich ein höfliches Publikum.
Bis zum Ende der Aufführung war ich nervös, weil ich nichts gesehen habe. Als ich die Dame vor mir höflich darauf aufmerksam machte und sie bat, dass ich durch sie wirklich nichts sehe, war die Antwort nur: "Ich filme meine Tochter." Zu ihrer Verteidigung muss ich jedoch anmerken – sie war nicht allein.
Ich erinnere mich an meine Jugend, als kurz nach der Revolution die ersten Videokameras in die Tschechoslowakei kamen. Urlaub am Meer ohne Kamera wurde undenkbar. Auch ich verfiel dem Amateurfilmen, das meine gesamte Freizeit im Ausland komplett ausfüllte. Zu Hause ließ ich dann mit Freude den Film vom Urlaub laufen, auf dem ich eigentlich gar nicht war. Das Filmen hat mir das echte Erlebnis gestohlen.
Der Sänger Robbie Williams beklagte sich in einem Interview: "Wenn Fans zu mir kommen, wollen sie sich mit mir fotografieren. Wir machen ein Selfie, sie bedanken sich und gehen. :( Interessiert niemanden, was ich denke? Will sich niemand mit mir unterhalten? Reicht es ihnen, ein Selfie mit Williams auf Facebook zu posten?"
Und jetzt zurück zum Thema. Erleben, fühlen wir unser Leben oder teilen wir es? Ich bin zu 100% fürs Erleben. Und so würde ich die Frau Direktorin bitten, zu Beginn der Aufführung zu sagen: "Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, bitte schalten Sie das Klingeln Ihrer Mobiltelefone aus und filmen Sie die Aufführung nicht. Erleben Sie sie." Denn die Erinnerung mag das Ereignis zwar verzerren, aber sie bereichert es um ein persönliches Erlebnis. Und das ist der Zauber der Erinnerungen.
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